Ich finde das ja alles ziemlich verwirrend. Besonders als Kind.
Der Nikolaus ist ein Heiliggesprochener, der gutes tat. Der kommt bei uns am 6.12. bringt lieben Kindern Süßigkeiten und für die unartigen Kinder hat er noch Knecht Ruprecht dabei der ihnen mit der Rute eins auf den Popo gibt. Außerdem hatte der Nikolaus einen weißen Rauschebart, einen Hirtenstab und ein festliches, goldenes Bischofsgewand an. Aus seinem goldenen Buch liest er dann die guten Taten und die Sünden der Kinder vor und vergibt dementsprechend Süßigkeiten oder Ruten. (Knecht Ruprecht hat nie jemand gesehen, der wartete immer draußen dass er hereingerufen wird, wurde er aber nie) So hab ich das gelernt als Kind.
Das Christkind kommt am 24.12. im Laufe des Tages und bringt Geschenke, die wir nach der Messe aufmachen durften. Vorher bliebt das Wohnzimmer verschlossen. Das Christkind ist für mich eine nicht ganz eindeutige Gestalt gewesen, weil es eindeutig, schon des Namens wegen auf Jesus Christus zurückzuführen ist und weil der ja in der Nacht geboren ist. Allerdings war mir diese Gestalt nie ganz klar, denn ich habe sie immer eher als weibliches, engelsgleiches Wesen angesehen. Egal, wichtig war jedes Jahr, dass wir die Weihnachstgeschichte dahinter kennen und die kannten wir auswendig. Spätestens in dem Jahr in dem wir Kommunion hatten, waren wir Kommunionskinder für das weihnachtliche Krippenspiel zuständig. Ich habe damals einen Hirten gespielt und weil ich beim ersten Treffen und Rollenverteilen nicht dabei war, hatte dieser Hirte sogar noch mehr Text als die Hauptdarsteller zusammen.
Der Weihnachtsmann ist eine Gestalt, die mir erst in der weiterführenden Schule untergekommen ist. Ich wusste, er heißt Weihnachtsmann, ich ordnete ihn aber unter Nikolaus ein wegen der Ähnlichkeit und weil das Christkind bei mir eine unbestrittene Rolle spielt. So wurde nach und nach der bischhöfliche Nikolaus zu einem rot und weiß gekleideten dicken Mann der mit Rentieren auf einem fliegenden Schlitten um die Welt reiste und die Kinder beschenkte.
Ich finde diese Konkurrenzgeschichte zwischen Weihnachtsmann und Christkind sehr verwirrend. Ich mag den Weihnachtsmann nicht so gerne, weil er eine Gestalt ist, die von CocaCola geschaffen ist. Daher möchte ich meinen Kindern auch weiterhin vermitteln, dass das Christkind an Heiligabend kommt und die Geschenke bringt. Und da kein dicker Mann im nicht vorhandenen Kamin feststecken könnte.
Aber es bringt mich auch in ein kleines Dilemma, denn heutzutage ist der dicke, rote Weihnachtsmann allgegenwärtig und nicht mehr wegzudenken, wohingegen man vom Christkind kaum was hört oder sieht in den Medien und Kaufhäusern etc.
Für mich ist klar: wenn der dicke, rote Kern schon nicht wegzudenken ist, dann soll er den Nikolaus ersetzen, aber das Christkind ist für mich der Ursprung dieses ganzen Festes überhaupt, das bleibt. Nun hat der Weihnachtsmann aber schon in so vielen Familien Einzug gehalten, dass überall gefragt wird “und was hat dir der Weihnachtsmann gebracht?” und meine Antwort dann ist “bei uns kommt das Christkind, nicht der Weihnachtsmann”
Ich mag die Geschichte schon auch, dass der Weihnachtsmann eine elfenbetriebene Spielzeugfabrik hat, am Nordpol wohnt und die Geschenke mit fliegendem Rentierschlitten ausliefert. Aber ich finde das Christkind trotzdem wichtiger. Nur stehe ich vor dem Rätsel, wie ich das in den nächsten Jahren meinen Kindern vermittele. Die Kindergartenfreunde werden ja alle vom Weihnachtsmann heimgesucht besucht.



Danke!
Dieser rotweiße CocalCola-Weihnachtsmann ist heutzutage echt allgegenwärtig, aber bei uns kam früher das Christkind und so möchte ich das bei meinen potentiellen Kindern auch halten. Für mich war das Christkind auch so ein engelhaftes und, doch ja, eher weibliches Wesen. Das Christkind halt. Irgendwann an Heiligabend, am späten Nachmittag, wurde das Wohnzimmer verschlossen, Mama schmückte den Baum und irgendwann später war, so bekamen wir erzählt, das Christkind darin. Irgendwann verschwand es dann wieder, niemand bekam es je zu Gesicht, aber bevor es verschwand, klingelte es noch mit einem kleinen Silberglöckchen und das hieß, das wir ins Wohnzimmer, zum Weihnachtsbaum durften. Das finde ich so schön und geheimnisvoll. Man muss es nicht sehen, man muss nicht wissen, wie es aussieht, aber es ist da und es bringt die Geschenke.
Aber allüberall im Bekanntenkreis… irgendwann war ich kurz nach Weihnachten bei meiner Freundin zu Besuch und fragte deren Tochter: Und, was hat das Christkind dir gebracht? Sie sah mich verwirrt an und die Mutter flüsterte mir zu: Christkind kennt sie nicht, bei uns kommt der Weihnachtsmann.
Mag sein, es gibt da auch regionale Unterschiede, angeblich kommt in Süddeutschland/in katholischen Gegenden eher das Christkind, im Norden/in protestantischen Gegenden eher der Weihnachtsmann. Aber inzwischen ist das medial alles ehr verwischt…
Von: zimtapfel am 6. Dezember 2009
um 23:20
Ich glaube bei meiner Schwester (BaWü) kommt auch der Weihnachtsmann.
Der Weihnachtsmann könnte meiner Meinung nach jederzeit kommen, was die besondere Bewandnis mit dem 24.12. ist, weiß ja dann kein Mensch/Kind. Bzw wenn es die Jesusgeschichte kennt, fehlt da der Zusammenhang zw. Christi Geburt und dem Datum.
Ich bin nicht sonderlich gläubig, aber diese Sache gehört für mich nicht zwingend nur zum Glauben sondern auch zu unserer Kultur und unseren Traditionen.
Von: Blogolade am 7. Dezember 2009
um 12:04
Ich bin zwar nicht Jean Pütz, aber Isch han da schomma wat vorbereitet.
Das Christkind gehört gerade eigentlich nicht in die katholischen, sondern in die evangelischen Lande… und der Weihnachtsmann ist nicht von COKE erfunden, sondern nur vermarktet worden. Aber das sind auch Nuancen.
Bei uns kam seinerzeit auch das Christkind. Wie das demnächst aussieht, wird sich noch ausdiskutieren müssen.
Von: Wolfram am 7. Dezember 2009
um 12:29
…der Nikolaus wird ja auch immer älter und braucht dringend Verstärkung. Gut das da seine Nichte aus….. gerade in D…… ist.
Übrigens hab ich auf einem Weihnachtsmarkt einl ustiges Utensil gefunden. Eine Bescherungsbremse
So ein kleines Kunstwerk aus Stoff, dass man dann vor das Schlüsselloch hängt – Bescherungsbremse ….
alles klar.
Frohes Fest
Von: Klosterarbeit am 7. Dezember 2009
um 13:55
Das Christkind ist doch auch noch gar nicht so alt, oder?
war es nicht eine evangelische Replik auf den Nikolaus, da es in der evangelischen Kirche keine Heiligen gibt?
Und ja, dieses Christkind, welches da alljährlich beim Nürnberger Christkindlmarkt seinen Spruch abgibt, ist in der Tat traditionell weiblich.
Also eher Engelin und definitiv kein Jesusknäblein.
Von: medizynicus am 12. Dezember 2009
um 21:44
Das ist wohl einfach eine regionale Geschichte.
Bei uns in Norddeutschland kommt kein Nikolaus persönlich. Am 5.12. werden die Stiefel schön geputzt und dann vor die Tür gestellt, und wenn man das gut gemacht hatte, fanden sich am Morgen Kleinigkeiten drin (also wirklich Schokolade, eine Orange, vielleicht ein Ü-Ei). Es heißt ja auch im Kinderlied “…dann stell ich den Teller raus”. (das war wohl bevor Eltern auf die Idee kamen, den Tag zu nutzen, um ihren Kindern Schuhpflege nahezubringen *g*)
Mein Mann hat bei uns im Mietshaus eine Tradition eingeführt (weil das in dem Haus, in dem er aufwuchs auch jemand gemacht hat und er das toll fand), dass wir jedem hier wohnenden Kind eine Kleinigkeit vor die Tür stellen – vom Haus-Nikolaus. Im Moment ist es nur ein Mädchen, aber es macht uns nen Heiden-Spaß. Die Leute wissen wohl bis heute nicht, wo’s herkommt *g*
Am Heiligabend kam der Weihnachtsmann. In meiner Familie persönlich.
Vom Christkind hat uns niemand erzählt. Obwohl meine Mum immer erzähl, bei ihnen wäre das üblich gewesen (die waren tatsächlich evangelisch). Aber sie fand’s immer irgendwie doof, weil man das ja nie gesehen hat. Irgendwie hatte der Weihnachtsmann dann doch was Beeindruckenderes.
Es ist übrigens ein wirklich weit verbreiteter Irrtum, das CocaCola den Weihnachtsmann erfunden hat. Den gab es schon lange vorher. Die Brausemacher haben nur die rot-weiße Kluft eingeführt.
Von: Kathrin am 12. Dezember 2009
um 22:54
Ist der Weihnachtsmann, so wie wir ihn kennen nicht eine vergrößerte Version der schwedischen “Weihnachtswichtel” (“Tomte”)?
Ich dachte, die Geschichte mit den Rentieren und dem Haus am Nordpol kommt aus Skandinavien.
Und dann gibt es ja noch das konfessionslose “Väterchen Frost” aus Rusland bzw. den ehemaligen Ostblockstaaten und “Papa Noel” aus Frankreich, wobei ich über die beiden Letzteren zugegebenermassen wenig weiß.
Von: medizynicus am 13. Dezember 2009
um 14:00
oh wei, ich merke, Weihnachten kann ganz schön kompliziert sein.
Dass CocaCola nur dieses Rot-weiße Outfit entworfen hat, wusste ich eigentlich auch. Naja, sie haben den Typen dann gleich mit vermarktet, sodass er mit dem vorherigen Weihnachtsmann kaum noch was zu tun hat.
Wir haben übrigens nie “Bilder” vom Christkind gesehen und niemand hat es uns beschrieben. Daher war die Assoziation vom Christkind zum engelsgleichen Wesen eher Zufall und scheinbar dennoch ein Volltreffer, wenn ich so lese was ihr alle schreibt.
Von: Blogolade am 13. Dezember 2009
um 15:29