Verfasst von: Blogolade | 23. Dezember 2012

Tage wie dieser

Auf der Arbeit läuft ein Tag so: Pferde mit Kraftfutter füttern, dann ausstallen, also alle Pferde auf die Paddocks verteilen, alle Boxen ausmisten, Heu füttern, Kraftfutter für Spätnachmittags in die Tröge und dann die Pferde wieder reinholen. Die letzten beiden Punkte dürfen gerne vertauscht werden aber ich mache es so rum, aus Zeitgründen.

Da gabs einen Tag, wo ich all das alleine gemacht habe. Erst habe ich 25 Pferde mit Kraftfutter versorgt. Dann musste ich eines neu eindecken weil es sich die Unterdecke komplett verdreht hatte und um die Beine gewickelt hatte. So konnte ich es nicht rausstellen und musste alles neu machen. Während ich die ersten Pferde rausbrachte, hörte ich schon ein Schnauben und Scharren und dachte noch “Nanu, der hatte doch seinen Hafer?!” Als ich genau diesen Wallach rausstellen wollte, lag er in der Box und sah gar nicht gut aus. Zusammen mit einem anderen Pferdebesitzer, der etwas mehr Ahnung davon hat, stellten wir fest, dass das ein Fall für die Besitzerin ist, der arme kleine Kerl hat wohl eine Kolik. Scheiße. Der Mann war so lieb, sich um den Patienten zu kümmern während ich weiter Pferde rausbrachte. Naja, zwei schaffte ich. Dann wunderte ich mich über die unheimliche Aufregung die draußen auf den Paddocks herrschte. Als ich die nächsten zwei Pferde draußen hatte, sah ich den Grund der Aufregung herumgaloppieren: Da war eine Ponyherde ausgebrochen. Jemand hat das Tor nicht richtig geschlossen. Mit viel Glück, ausgebreiteten Armen, einem großen Tor und lauter Stimme konnte ich verhindern, dass sie auf die Straße rennen und schaffte es, sie alle zurück in ihre Weide zu treiben. Das Tor war dann ordentlich zu, das hab ich zur Sicherheit drei Mal kontrolliert. Zwei weitere Pferde später kam dann auch die Besitzerin des Patienten und befand, dass er wirklich eine Kolik hat. Die Tierärztin war im Anmarsch. Von den nächsten zwei Pferden, viele lassen sich paarweise rausführen, ist einer ein Schisshase. Ein Rettungshubschrauber ist nicht das Problem. Aber die Kühe auf der Nachbarweide. OH GOTT OH GOTT. Der arme Kerl war panisch aber die Flucht nach vorn, in Richtung der Kühe funktionierte trotzdem. Logik ist nicht seine Stärke, war mir aber Recht denn die Richtung war richtig. Beim nächsten Pferd durfte ich das Halfter zusammenbauen, irgendwie bestand das nur aus Einzelteilen. Das war der Punkt wo ich mich fragte, was denn heute noch alles schief geht?! Als ich dann alle Pferde raus hatte, habe ich wegen der Zeitverzögerung durch den Patienten und die ausgebrochene Ponyherde meine Frühstückspause ausfallen lassen. Das Misten musste ich auch einige Male unterbrechen. Irgendwann zwischendurch musste ich mir doch mal meine Brote einwerfen, der Magen knurrte so laut dass beim Kolikpferd ein Rückfall vermutet wurde. Später fütterte ich dann Heu und stellte fest, dass da ein Lecksteinhalter zerbrochen war. Ich fand keinen Schraubenzieher, die Chefin war auch nicht da und der andere Angestellte, das Mädchen für alles macht nix auf meine Anweisung. “Chefina sagen, die sagen mir” gut, mache ich. :) Kaum habe ich die nächste Karre Heu verteilt kommt jemand zu mir “duu, Blogolade, beim Hengst ist der Zaun kaputt, kannst du mal gucken?!” DA war ich dann schnell denn dieser Hengst, einer von dreien, weiß ganz genau dass er ein Hengst ist und benimmt sich auch so. Und er weiß wo Stuten stehen. Gefahr in Verzug! Ganz so kaputt war der Zaun dann doch nicht und er ließ sich glücklicherweise erstmal notdürftig flicken. Chefina sagte dem Mitarbeiter dann auch noch, dass das auch repariert werden muss. Wie ich einmal draußen bei den Pferden war, hab ich einem anderen Pony noch das zerrissene Halfter vom Kopf gepflückt. Was treiben die eigentlich immer da draußen? Und: hatte ich nicht gesagt, dass es mir schon längst reicht für heute? Der Rest verlief reibungslos, ich verteilte das Kraftfutter, hatte Hilfe beim Pferde reinholen und konnte erstaunlich schnell vom Hof verschwinden. Ich war noch keine dreißig Minuten daheim, da rief die Chefin an “duu, wann bist du vom Hof weggefahren? War da noch jemand unterwegs von unseren Leuten? Welche Pferde waren noch unterwegs?…Mich hat eben die Polizei angerufen, sie haben ein freilaufendes, gesatteltes Pferd aufgegriffen, vom Reiter keine Spur”

Es wird nie langweilig.

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Responses

  1. Wahnsinn, was für ein Tag! Langweilig wird es dir wohl wirklich nie! ;)


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